JOOOL: Elektra Marine baut seine gemeinsame Plattform für Segelboote auf

Fünf Monate nach der Gründung von Elektra Marine konkretisieren Beneteau und Fountaine Pajot ihre gemeinsame Strategie im Bereich der Elektrifizierung. JOOOL wird zur Handelsmarke des Joint Ventures, und Philippe Hamon übernimmt den Vorsitz. Das Netzwerk umfasst nun acht Marken und mehrere externe Werften.

Die Zusammenarbeit zwischen Beneteau und Fountaine Pajot im Bereich der Elektromobilität nimmt allmählich industrielle Ausmaße an. Die Marke JOOOL soll eine gemeinsame technische Basis schaffen, die Antrieb, Batterien und Energiemanagement vereint. Auch drei externe Werften arbeiten mit dieser Plattform.

JOOOL wird zur Marke von Elektra Marine

Elektra Marine wurde im April 2026 zu gleichen Teilen von der Groupe Beneteau und der Groupe Fountaine Pajot gegründet und soll die Entwicklungen beider Hersteller in den Bereichen Elektroantrieb und Energiemanagement an Bord bündeln. Bei ihrer Gründung umfasste die Allianz sieben Marken und hatte sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 zur Elektrifizierung von 10 bis 15 % des weltweiten Segelbootsmarktes beizutragen.

JOOOL ist nun offiziell die Marke, unter der die Lösungen von Elektra Marine vermarktet werden. Die Plattform vereint Antrieb, Stromspeicherung, Umwandlung, Energiemanagement, Schnittstellen und Dienstleistungen. Sie soll an verschiedene Bootsgrößen und unterschiedliche Architekturen angepasst werden können, sowohl im Nieder- als auch im Hochspannungsbereich.

Die industriellen Herausforderungen sind groß. Ein bordeigenes elektrisches System beschränkt sich nicht darauf, einen Dieselmotor durch einen Elektromotor zu ersetzen: Batterien, Leistungselektronik, Ladesysteme, Energieerzeugung, Kühlung, Steuerungsschnittstellen und Software müssen zusammenwirken. Die Standardisierung eines Teils dieses Systems kann es den Herstellern ermöglichen, dieselben Komponenten in mehreren Modellreihen wiederzuverwenden.

Ein Veteran der Automobilbranche soll die Standardisierung vorantreiben

Den Vorsitz bei Elektra Marine wird Philippe Hamon übernehmen. Beide Konzerne heben insbesondere seine rund dreißigjährige Erfahrung in der Automobilindustrie hervor, darunter eine Tätigkeit beim Zulieferer Valeo.

Diese Entscheidung steht im Einklang mit der Ausrichtung des Joint Ventures. In der Automobilbranche wird seit langem auf gemeinsame Plattformen und Komponenten zurückgegriffen, die für mehrere Modelle genutzt werden. Elektra Marine ist bestrebt, einen Teil dieses Ansatzes auf den Bootsbau zu übertragen ? trotz deutlich geringerer Produktionsmengen und anderer Nutzungsbedingungen.

Das Ziel besteht also nicht mehr nur darin, die elektrische Integration bei einigen wenigen Einheiten erfolgreich umzusetzen. Es geht vielmehr darum, die Lösung auf weitere Schiffe übertragbar zu machen und sie vor allem auch für Hersteller zugänglich zu machen, die nicht zu den beiden Gründungskonzernen gehören.

Acht Marken und bereits drei externe Baustellen

Der in Cannes angekündigte Umfang gibt einen ersten Eindruck von dieser zunehmenden Bedeutung. Die Lösungen von JOOOL umfassen nun acht Marken: Beneteau, Jeanneau, Lagoon, Lagoon Signature, Excess, Fountaine Pajot, Fountaine Pajot Yachts und Dufour.

Die Beneteau-Gruppe gibt vier betroffene Modelle bekannt, die Fountaine Pajot-Gruppe zehn. Beide Hersteller nennen in ihrer Pressemitteilung jedoch nicht die vollständige Liste dieser 14 Boote.

Noch aussagekräftiger für das Ziel, eine offene Plattform zu schaffen, ist die Ankündigung, dass drei externe Hersteller mit JOOOL zusammenarbeiten: Leopard Catamaran, RM Yachts und die Chantier de l'Arsenal.

Diese Entwicklung sollte man genau im Auge behalten. Die Fähigkeit einer gemeinsamen Plattform, über die Sortimente ihrer beiden Anteilseigner hinauszugehen, wird nämlich einer der Indikatoren für ihr Standardisierungspotenzial sein.

Der Kundendienst wird Teil des Antriebssystems

Die Elektrifizierung wirft auch die Frage nach der Wartung auf. Ein Elektromotor besteht aus weniger mechanischen Teilen als ein Dieselmotor, doch kommen zu der gesamten Baugruppe noch Batterien, Umrichter, Leistungselektronik und Steuerungssoftware hinzu.

JOOOL gibt bekannt, über 19 Kundendienststellen zu verfügen. Die Plattform nutzt zudem Satelliten- und Mobilfunkverbindungen, sodass ? sofern eine Verbindung besteht ? Systemzustände, Alarme und verschiedene Betriebsprotokolle aus der Ferne abgerufen werden können.

Der Kundendienst kann so bei der Fehlerdiagnose mitwirken, bestimmte Parameter anpassen und Software-Updates versenden. Je nach Art der Störung kann durch einen Fernzugriff der sofortige Einsatz eines Technikers vermieden werden.

Für einen Langstrecken-Freizeitsegler ist dieser Aspekt nicht nebensächlich. Die Eignung eines elektrifizierten Antriebs lässt sich auch daran messen, ob man weit entfernt von der Werft, auf der das Boot gebaut wurde, Hilfe finden kann.

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