Um detaillierte Wetterdaten zu erhalten, vom Salon aus zu arbeiten, eine Videokonferenz abzuhalten oder einfach nur den Kontakt zum Festland aufrechtzuerhalten, sind mittlerweile weitaus mehr Daten erforderlich als ein Wetterbericht und ein paar E-Mails. Starlink hat maßgeblich zu dieser neuen Größenordnung beigetragen, ist jedoch nicht der einzige Akteur auf dem Markt. OneWeb, Kuiper, Viasat, HughesNet, Iridium und Inmarsat basieren auf unterschiedlichen Architekturen und Anwendungsbereichen. Für einen Segler beginnt der Vergleich dieser Netzwerke daher weniger mit dem angegebenen Preis als vielmehr mit einer einfachen Frage: Was passiert eigentlich zwischen der Antenne an Bord und dem Satelliten?
LEO oder GEO ? die Umlaufbahn beeinflusst das Erlebnis an Bord unmittelbar
Der erste Unterschied liegt mehrere hundert oder sogar mehrere Zehntausend Kilometer über dem Deck.
Starlink, OneWeb, Kuiper und Iridium betreiben Satelliten in der erdnahen Umlaufbahn (LEO). Starlink gibt in den verfügbaren Informationen eine Latenz zwischen 25 und 60 ms an, während OneWeb etwa 70 ms und Kuiper 30 bis 40 ms angibt.
Diese geringe Latenz spielt an Bord eine Rolle, sobald der Austausch interaktiv wird. Eine Videokonferenz, ein Fernzugriff auf einen Computer oder bestimmte geschäftliche Anwendungen vertragen eine Übertragungszeit von mehreren hundert Millisekunden nur schlecht.
Viasat und Inmarsat nutzen hingegen geostationäre Satelliten, auch GEO-Satelliten genannt. Die vom Signal zurückgelegte Strecke führt bei Viasat zu einer angegebenen Latenz von 600 bis 800 ms und bei Inmarsat von 600 bis 700 ms.
Diese Verzögerung beeinträchtigt nicht alle Funktionen. Das Herunterladen von Dateien, das Empfangen von E-Mails oder das Abrufen bestimmter Informationen ist weiterhin möglich. Sie macht sich jedoch deutlich stärker bemerkbar, wenn eine Anwendung einen schnellen Datenaustausch erfordert.
Und die Übertragungsrate erzählt nur einen Teil der Geschichte. Die angegebenen Daten weisen im ersten Vergleich bis zu 260 Mbit/s für Starlink, 200 Mbit/s für OneWeb, 150 Mbit/s für Viasat und 100 Mbit/s für HughesNet aus. Kuiper gibt seinerseits bis zu 400 Mbit/s an, doch der Ausbau soll erst 2026 teilweise abgeschlossen sein.
Auf See muss eine Satellitenantenne zunächst den Himmel sehen können
Auf einem Schiff hängt die Verbindungsqualität nicht nur von der Konstellation ab.
Eine Starlink-Antenne benötigt eine ausreichend freie Sicht zum Himmel. Auf einem Segelboot ist dies ein Detail, das weitaus weniger trivial ist. Mast, Baum und Segel können den von der Antenne beobachteten Bereich vorübergehend verdecken.
Das Problem stellt sich also nicht ganz so dar wie in einem Haus, wo das Endgerät vor einem unbeweglichen Himmel befestigt bleibt. An Bord schlingert das Boot, schaukelt und ändert den Kurs. Auf einem Segelboot bewegen sich zudem die Takelage und die Segel im Verhältnis zur Antenne.
Die Wahl des Standorts ist daher ein wesentlicher Bestandteil der Installation. Eine Antenne, die unter dem Baum oder in einem Bereich mit vielen Hindernissen angebracht ist, kann zu Empfangsunterbrechungen führen, wenn die Sichtverbindung beeinträchtigt ist.
Diese Einschränkung macht auch deutlich, dass eine als weltweit angekündigte Abdeckung nicht bedeutet, dass alle Systeme überall auf dieselbe Weise funktionieren. Starlink wird als in mehr als 150 Ländern verfügbar beworben. Iridium zeichnet sich seinerseits durch eine Abdeckung aus, die auch die Polarregionen umfasst. Inmarsat bietet eine nahezu weltweite Abdeckung, mit Ausnahme der Pole.
Ob es sich nun um eine Küstenkreuzfahrt, eine Hochseeüberfahrt oder eine Fahrt in hohe Breitengrade handelt ? der Begriff ?Abdeckung? hat also nicht überall dieselbe Bedeutung.
Starlink und OneWeb richten sich nicht an dieselbe Zielgruppe
Ein reiner Vergleich der Übertragungsraten kann dazu führen, dass Dienste, die für unterschiedliche Nutzer konzipiert sind, in dieselbe Spalte eingeordnet werden.
Starlink deckt in den bereitgestellten Informationen Privatkunden, Geschäftskunden und den maritimen Bereich ab. Aufgrund dieser Vielfalt ist Starlink besonders für Besitzer von Freizeitbooten interessant, die eine Internetverbindung an Bord suchen.
OneWeb schlägt einen anderen Weg ein. Die von Eutelsat betriebene Konstellation richtet sich an Unternehmen, Behörden und Mobilitätsanwendungen, insbesondere an Schiffe und Flugzeuge. Sie wird nicht als Angebot präsentiert, das sich direkt an den einzelnen Freizeitkapitän richtet.
Die angegebene Übertragungsrate beträgt 200 Mbit/s bei einer Latenz von etwa 70 ms. Das Netzwerk ist zudem auf geschäftliche Anwendungen und symmetrischen Datenaustausch ausgerichtet. Im Gegenzug beginnen die angegebenen Kosten bei über 500 Dollar für geschäftliche Lösungen.
Der Unterschied geht also über die technischen Daten hinaus. Ein Eigner, der seine Segelyacht für einen mehrwöchigen Törn ausrüstet, und ein Betreiber, der ein Schiff permanent mit dem Netz verbinden muss, erwerben nicht denselben Dienst, selbst wenn beide eine LEO-Konstellation nutzen.
Kuiper bringt eine weitere Unbekannte ins Spiel. Das Amazon-Netzwerk wird mit einer angegebenen Übertragungsrate von bis zu 400 Mbit/s und einer Latenz von 30 bis 40 ms beworben. Doch was den kommerziellen Ausbau und die Abdeckung im Jahr 2026 angeht, sind die verfügbaren Informationen nach wie vor lückenhaft. Man muss daher zwischen den angekündigten Leistungswerten und den Diensten unterscheiden, die für einen Nutzer in seinem Nutzungsgebiet tatsächlich verfügbar sind.
Iridium und Inmarsat bleiben für unterschiedliche Anwendungszwecke im Rennen
Eine schnelle Verbindung und eine kritische Kommunikation entsprechen nicht unbedingt denselben Anforderungen.
Iridium veranschaulicht diesen Unterschied sehr gut. Seine LEO-Konstellation deckt den gesamten Globus ab, einschließlich der Pole. Iridium Certus hingegen wird mit 704 kbit/s beim Empfang und 352 kbit/s beim Senden angegeben.
Angesichts der von LEO-Internetnetzen angekündigten Geschwindigkeiten im Bereich von Hunderten von Mbit/s ist der Unterschied beträchtlich. Doch nur diese Zahlen zu vergleichen, wäre so, als würde man eine Jolle und einen Trawler hinsichtlich ihrer Höchstgeschwindigkeit miteinander vergleichen.
Iridium eignet sich vor allem für Sprachverbindungen, Nachrichten, geringe Datenmengen, kritische Kommunikation, Wetterinformationen und Situationen, in denen die geografische Abdeckung Vorrang vor der Bandbreite hat. Für die Hochsee- oder Polarnavigation ist diese Herangehensweise daher nach wie vor von besonderem Interesse.
Inmarsat gehört wieder zu einer anderen Familie. Sein GEO-Netzwerk wird seit langem in der Schifffahrt und im gewerblichen Bereich genutzt. Inmarsat GX erreicht den Angaben zufolge bis zu 50 Mbit/s. Die Latenz von 600 bis 700 ms ist jedoch aufgrund der Entfernung zu den geostationären Satelliten unvermeidbar.
Das Endgerät und das Abonnement werden zudem als deutlich teurer dargestellt als Lösungen für den Massenmarkt. Inmarsat positioniert sich damit eher im Bereich der professionellen Schiffsausrüstung als im Bereich der Router, die für einen Sommerurlaub auf See installiert werden.
Viasat und HughesNet zeigen die Grenzen geostationärer Satelliten auf
Die LEO-Konstellationen haben die GEO-Netzwerke nicht verdrängt, aber sie haben die Vergleichskriterien verändert.
Viasat gibt bis zu 150 Mbit/s an, bei einer Latenz zwischen 600 und 800 ms. HughesNet wird mit 25 bis 100 Mbit/s und einer Latenz von etwa 650 ms angegeben.
Diese Werte sind weiterhin mit Internetanwendungen vereinbar, bei denen größere Verzögerungen in Kauf genommen werden können. Für interaktive Kommunikation sind sie jedoch weniger geeignet. Auch die Datenrichtlinien spielen dabei eine Rolle. Angebote, die als unbegrenzt beworben werden, können nach dem Verbrauch bestimmter Datenmengen eine Drosselung vornehmen. Bei HughesNet liegt die angegebene Schwelle zwischen 100 und 200 GB.
An Bord verdient dieses Detail mehr Beachtung, als es auf den ersten Blick scheint. Mehrere vernetzte Besatzungsmitglieder, Geräte-Updates, Videoübertragungen und Remote-Arbeit lassen das Datenvolumen schnell in die Höhe schnellen.
Die monatlichen Kosten reichen daher nicht aus, um zwischen zwei Abonnements zu entscheiden. Das tatsächlich nutzbare Datenvolumen, die Priorisierung des Datenverkehrs, die Latenz und die Netzabdeckung sind ebenso wichtig wie die angegebene maximale Übertragungsrate.
Welches Netzwerk das richtige ist, hängt letztendlich vom Navigationsprogramm ab
Nach den vorliegenden Informationen gibt es kein Satellitennetz, das die höchste Übertragungsrate, die größte Abdeckung, die geringste Latenz und die niedrigsten Kosten vereint.
Für den Freizeitkapitän, der in erster Linie einen Breitband-Internetzugang sucht, stellen die LEO-Konstellationen eine echte Wende dar. Starlink vereint laut den bereitgestellten Daten eine umfassende internationale Abdeckung, eine Latenz von 25 bis 60 ms und Übertragungsraten von mehreren hundert Mbit/s. Zu den Einschränkungen zählen insbesondere die Kosten für die Ausrüstung und die Notwendigkeit, eine freie Sicht zum Himmel zu gewährleisten.
OneWeb richtet sich eher an gewerbliche Installationen. Kuiper präsentiert sich als LEO-Konkurrent, dessen Aufbau im Jahr 2026 beginnen soll. Viasat und HughesNet behalten eine GEO-Architektur mit deutlich höherer Latenz bei.
Und sobald sich die Nutzung vom klassischen Internetgebrauch entfernt, ändert sich die Hierarchie erneut. Iridium legt den Schwerpunkt auf weltweite Abdeckung und Kommunikation mit geringer Übertragungsrate, während Inmarsat weiterhin auf den professionellen maritimen Bereich ausgerichtet ist.
Bei der Ausstattung eines Bootes geht es also nicht nur darum, welcher Anbieter die höchste Mbit/s-Geschwindigkeit verspricht. Das eigentliche Anforderungsprofil setzt sich aus dem Segelgebiet, Hindernissen in der Umgebung der Antenne, dem Bedarf an Echtzeitkommunikation, dem Datenvolumen und der Kritikalität der Verbindung zusammen. Auf See wie auch anderswo beginnt die Wahl einer Verbindung damit, dass man weiß, wofür man sie nutzen möchte.

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